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Perspektiven

Ich sitze der Klassenlehrerin meines Sohnes gegenüber. Mit Maske. Wir wissen, das wir es sind, aber wir erkennen uns nur anhand der Stimmen. Verrückte Situation.

Ich lausche ihren Worten, sie sind wichtig. Beratungsgespräch für den Übergang in Klasse 5. Sie erzählt mir Allerlei. Ihre Sichtweise, ihre Perspektive sind mir sehr wichtig. Denn sie geben mir Anhaltspunkte. Für jetzt. Für später. „Frau Korves, also ihr Sohn macht super mit, besonders wenn das Thema ihn interessiert.“ Wir schmunzeln. Ich weiß, wie sie es meint. Schließlich erlebe ich mein Kind seit einige Monaten im Homeschooling. Motivation ist und bleibt nun mal alles. Das gilt für die Kinder, das gilt für uns Eltern.

 

Auch wir machen super mit, wenn das Thema uns interessiert.

 

Und wenn es uns nicht interessiert, dann fällt es schwer, zielstrebig zu sein. Und durchzuhalten... Puuuh. Ich weiß, mein Sohn lässt sich meistens motivieren. Wenn der Stoff selbst ihn nicht lockt (Wortarten sind für ihn nun mal nicht von so großem Interesse), dann finden wir etwas, das ihn durchhalten lässt: Lieblingsessen, Pausen, abends länger spielen dürfen, längere Medienzeit, eine „verrückte halbe Stunde“, Kissenschlacht machen und hinterher nicht aufräumen müssen. Das ist für ihn dann eine Perspektive, die ihn anspornt. Ich finde das, aller Lehrbuch-Pädagogik zum Trotz, völlig legitim.

 

So ist das bei uns Erwachsenen doch auch. Auch wir wollen motiviert werden. So funktionieren wir Menschen nun mal. Wir brauchen Anreize und Anhaltspunkte. Nicht alles, was muss, finden wir toll, interessant oder gar notwendig. Insbesondere wir Eltern müssen gerade eine ganze Menge. Und wir befinden uns in Rollen, die neu sind (z.B. Mama-Lehrerin/Papa-Lehrer). Hello Multitasking!

 

Was motiviert uns also?

 

So lapidar, wie diese Frage auch daher kommt, ich finde sie äußerst wichtig. Was ist unser ganz individueller Anreiz? Wohin richten wir unseren Kompass aus, wenn´s stürmisch wird? Und noch wichtiger: Nehmen wir wahr, wenn wir zu kentern drohen? Sich diese Fragen zu stellen bewirkt, sich der eigenen Schutzfaktoren bewusst zu werden. Und seine Schutzfaktoren zu kennen bedeutet, besser durch Multitasking-Zeiten oder eben durch Krisen-Zeiten durchzukommen. Denn gerade wenn man Kinder hat, ist kentern keine Option. Unsere Kinder... eine wahrlich besondere Generation.

  

Generation „C“

 

Wie leben jetzt seit genau einem Jahr im „Corona-Bewusstsein“. Ein Jahr!!! Bedenkt man einmal, wie alt unsere Kinder sind (Grundschulkinder sind in der Regel 6-10 Jahre), so ist ein Jahr aus ihrer Sicht verdammt viel. Im Vergleich zu ihrer bisherigen Lebenszeit ein gewaltiger Zeitfaktor. Kinder machen in dieser Zeitspanne wichtige Entwicklungsphasen durch, die sie auch für nachfolgende Phasen und bis zum Erwachsenenalter prägen. Es macht also schon eine ganze Menge aus, wie Kinder diese „Corona-Zeit“ erleben. Und na klar, wir können ihnen aktuell keine heile Welt vorgaukeln. Keine Kinder-Geburtstage, kein Kino, kein Sportverein, kein Schwimmbadbesuch, keine Treffen mit mehreren Spielpartnern. Wir alle können diese Liste noch weit fortführen. Aber es gibt trotzdem Möglichkeiten. Wir können Perspektiven geben, können unseren Kindern schwierige Momente versüßen, können „das Glas halb voll machen“. Und wenn wir nicht immer genau wissen wie (was ja völlig legitim ist), dann können ihnen die Fragen stellen, die wir uns selbst auch stellen sollten: „Was motiviert dich? Was hilft dir? Wie kann ich dich unterstützen?“

 

Neulich war ich in der Bonifatiusschule. Ein Besuch nach gut 7 Monaten Elternzeit und Studium. Bekannte Gesichter, die man lange schon nicht mehr gesehen hat. Ein Stück vermisste Vertrautheit. Es ist, wie es ist, Begegnungen bereichern unser Leben.

 

Wir sind nunmal soziale Wesen.

 

Im Gespräch mit Kolleginnen und Kindern erfahre ich, was aktuell los ist in der Schule, was individuell von Wichtigkeit ist. Da sind viele unterschiedliche Dinge, aber eines berichten die Kinder genauso, wie die Erwachsenen: es ist gut, dass man sich sieht. Wenn es auch unter Auflagen ist. Da wird die Maske zur Nebensache. Begegnungen eröffnen Perspektiven!

 

Es grüßt herzlich,

 

 Katharina Korves